hat angeorbnet, daß die Garuisouen in "Barcelona, Saragossa und Cabix konssgnirt bleiben sollen. Bon Maßregeln gegen die immer weiter um sich greifrndc Roth, aus der die Unruhen entsprungen sind, verlautet nichts. wurden sechs Anarchisten verhaftet. Der KrregSminifter in Barcelona, Bukarest, 18. Februar. Senatswahlen. Unter den 60 Gewählten find 42 Konservative und 9 Oppositionelle. Neun Stichwahlen find erforderlich. Die Opposition hat beschlossen, unter P r o - t e st gegen die jüngsten Wahlen der Kammer s e r n z u. bleiben. wurden mtt 83 gegen 82 Stimmen die Anträge gegen das Fremdeubürea» abgelehnt. Mit 97 gegen 6V Stim - men ward über den Antrag Greulich, betresseud das Ver- bot behördlicher Auskunft über die politilche Thäligkeit, zur motivirten Tagesordnung übergegangen. Die Gcschä'stsleltitugS-Kommisslo« der sozial- deuiokratifcheu Partei Ver Echiveij befragt die Mitglieder des Parteikomites und die Pertrauensniänner, ob gegen das A usl i efern n g s g es e- dir Volks - abstimmung angerusen werden solle oder nicht. Auf Grund der einlauseiiden Butworien wird die Geschäfts- leitungs-Komniission dann diese Frage entscheide!!. Brfiffel, 17. Februar. Das Referendum war Gegenstand der heutigen Berathung in den S et- ion e n der Kammer. Drei Sektionen verivarfen den Antrag, drei nahmen ihn an Im Ganzen ergab die Berathung 49 Stimmen für und 33 dagegen bei 14 Entyalinngen. Somit ist eine sehr kleine Majorität für den Antrag wahrscheinlich. Paris, 17. Februar. Die Einfuhr Frankreichs aus Deutschland im Zahre 1891 überstieg die des vorher - gehenden Jahres am 19j Millionen. Die Ausfuhr Frankreichs nach Deutschland betrug in demselben Jahre 17| Millionen Franks mehr als im Vorjahre 1890. Die Opposition gegen die LebeuSmittelzölle kn Frankreich nimmt zu. Die in Lyon ihren Sitz habende „Union des Volkes' fordert alle Arbeiter Frankreichs auf. sich am 6. März zu den Trägern und Vertretern der öffentlichen Gewalten zu begeben und von denselben die sofortige Aufhebung der Zölle auf Rahrnngs. mittel zu verlangen. Die Bewegung in Spanien unter den Arbeitern, Bauern und Republikanern bauert fort. Ju Cadix Rom, 17 Februar. In der Deputtrten- lammet erklärte heute auf Anfrage Antonellis der Ministerpräsident, er halte die Gerüchte über den Ab- bruch der Beziehungen zwischen Menelik und Ras Mau- gascha und über einen bevorstehenden Krieg mit Tigre für unbegründet. Er betonte weiter, er werde an der bisherigen Richtung in der Afrikapolitik nichts ändern. Bei der Debatte über die llniversirätsunruhen erklärte der Unterrichtsniinister, die jährlich wiederkehrenden Uni- verfltütstumulte seien eine Schande für Italien und durch nichts entschuldbar, er habe erst spät den Weg der Strenge eingeschlagen, sei nunmehr aber entschlossen, bis zum Ende zu gehen. Nach dieser Erklärung des KnltnS- ministerS wurde die von der Regierung genehmigte Tagesordnung angenommen und die seitens der Oppo - sition vorgeschlagene verworfen. Jmbriani brachte eine Interpellation über angeb - liche Verletzungen des Berliner Vertrages seitens einer Eignatarmacht ein. Der Senat nahm heute die zwischen Deutschland nnb Italien vereinbarte Konvention, betreffend den Marken- und Musterschutz, ohne Diskuffion an. Die soziale Lage in Italien wird, besonders in Nom, tagtäglich bedenklicher, die Zahl der Arbeitslosen nimmt nicht ab, obwohl allein im Januar 23 000 Per- fönen in ihre Heinrath zurückbefördert worden sind; die Geschästsftockung greift immer weiter um sich und der Straßenbettel ist zu einer Landplage, wie kanm je zuvor, gediehen. Die Regierung weiß aber kein anderes Mttel, als die Roth von der Strotze aus der Oeffentlichkeit zu verdrängen. Die für Mittwoch Vormittag beim Co - losseum anberaurnte Versammlung von beschäf- tigungSlosen Arbeitern wurde polizeilich ver - boten, und weil Unruhen befürchtet, wurden zwei Kom - pagnien nach dem Coloffeum beordert Es fanden sich nur wenig Arbeiter ein, die fast widerspruchslos der Aufforderutig. sich zu entfernen, folgten. Unterwegs schloffen sich ihnen andere Arbeiter an, die nun in ziem - licher Anzahl die äußeren Quartiere, ohne zu lärmen, durchzogen und dann in den Corso einbogen, den sie fast ganz passirten, ehe sie von der Polizei aufgelöst wurden. Es wurden keine Verhaftungen vorgeumnmen. Am Abend sollte abermals eine Versammlung der Arbeiter stattfinden. An Stelle der allgemeintt- -Versammlung fand am Mtt- wvch eine Bersanilluuiig der Vertreter von 23 Arbeiterver einignngen statt, welche eine Resolution beschlossen, durch welche die Vertreter sämmtlicher Arbeitervereinigungen ansgefordert werden, in den Werkstätten und auf den Bau- Plätzen Propaganda zu machen, um am 19. d. M. einen allgemeinen Ausstand zu beginnen und dafür zu sorgen, daß die Werkstätten und Waarenmagazine so lange geschloffen bleiben, bis die Regier-ung wirksame Maßregeln für die Arbeiter in Rom getroffen hat. Die Wahlen zum japanischen Parlament, die gegenwärtig stattfinden, gehen nicht ohne etliche (Er - regung ab, was auch nicht zu verwundern ist, da die Regierung nach europäischem Muster ihren Willen gegen das Parlament durchsetzen möchte. Nach Meldung des Reuter'schen Büreans haben in Uokohama und auch in Ogi Wahlkrawalle ftattgesimden. Die Polizei wurde von den „Ruhestörern" angegriffen und mußte sich zu - rückziehen. Bei den gemeldeten Unruhen in Saga wurden mehrere Personen geiödtet und viele verwundet. Die Aufregung in Saga dauert fort. Interessant ist es, die Gründe für die Aus - lösung des ersten japanischen Parla - ments kennen zu lernen. Rach einem Bericht der „Franks. Ztg." ans Tokio sollen fie darin bestehen, daß die beiden Oppositionsparteien nach ihrer Bereinigung jede Regierungsvorlage verworfen und andererseits Vorlagen über die Erweiterung der Preß - freiheit und des Bersammlun^srechtes angenommen haben, welchen die Regiening nicht znstimmen zu können erklärte. Der Büdget-Ausichuß hatte Abstriche im Gesammtbetrage von 8 600 000 Dens (etwa 35 Millionen Mark) vorgenommen. Der Minister- Präsident Graf Matsukata erklärte im Plenum diese Abstriche im Allgemeinen für unannehmbar und soweit dieselben das verfassungsmäßige eiserne Budget betrasen, einfach für undiskutirbar In derselben Weise äußerten sich die einzelnen Ressortminister. Trotzdem wurden sämmtliche Abstriche fast ohne Debatte nach de» Ausschuß - Anträgen votirt. Bei der Berathung des Marine - Etats kam es zwischen dem Marine ■ Minister Admiral Kabapama und der Majorität zu einer heftigen Szene. Der Minister verurtheilte in scharfen Ausdrücke» die „Obstruktioirstaktik" des Parlaments und verwies dagegen aus die verdienstvolle Vergangenheit der seit der Restauration die Geschicke des Landes bestimmenden Sat-Cho-Combination (Kabinette aus den Clans der Saisuma und der Choshin). Der Redner wurde durch einen Entrüstungssturm unterbrochen und mußte die Tribüne verlassen. Die Sitzung nahm einen stürmischen Äaratler an und wurde aufgehoben. Nach Wiederauf- nähme der Berathung wurde die hauptsächlich im In - teresse der Marine beantragte Position für Errichtung eines Eisen- und Gußstahlwerkes abgelehnt. Unter den übrigen Regierungsvorlagen, welche von dem gleichen Schickjale betroffen wurden, befanden sich daS Projekt eines Eisenbahn-Anleheus zu Zwecken des Ausbaues und der Verstaatlichung des Bahnn^tzes, dann das Judemni- tMAEegehren für die Hülfsaktion aus Anlaß der Erd- tabari-Katastrophe. Bon den 6 800 0*0 Deni, welche die Itaaierung hierfür verlangte, genehmigte das Haus bloS MM Drittel. Schließlich beantragte die Regierung in deem Gesammtvortrage an den Kaiser die Auflöiung dos Unterbauses und die Vertagung des Oberhauses, M0 denn auch am 25. Dezember erfolgte. AuS Australien erhalten wir von einem iu Melbourne wohnenden Freunde unseres Blattes ein Schreiben, welches beweist, daß auch bei unseren Anti - poden der Kapitalismus die gleichen Blüthen zeitigt, wi« bei unS. Diese Thatsache verdient darum Envöhnung, weil die australischen Kolonieen noch immer für die Arbeiterklasse relativ günstige Verhältnisse ausweisen und gewerkschaftliche Organisationen sich dort zu grober Macht entwickelt haben. Der Lauf der Dinge in der gegen - wärtigen Periode deS wirihschastlichen Niedergänge« wird auch den auftraltschen Arbeitern beweisen — soweit sie es nicht schon begriffen haben — daß die Erringung der politischen Macht und im Weiteie» die Verwirklichung der sozialdemokralischen Idee eine uuabtveisbare Nolh- wendigkeit ist. — Unser Korresponbent schreibt: Seit meinem letzt--» Sch-eiben hat sich die Sage der Arbeiter durch die Mißivinhschaft der Kapitalfsteu und ihrer Helfershelfer bedeutend verschlechtert und ganz te- sonders in Melbourne ist ein förmlicher Stillstand in Handwerk und Industrie eingetreten. Schaaren von Arbeitsuchenden durckiziehen die Straße», doch ohne Er - folg, und im Jnlattde geht es nicht viel besser. Mord, Selbstmord und Verbrechen aller Art haben eine Höhe erreicht, wie nie zuvor und wenn der Arbestslofigkeit nicht bald abgeholfen wird, so gehen wir einer Hnngers- noih entgegen, trotz der Fülle von Sebensinitleln und anderen Bedürfnissen. Die Speicher find voll von Brot - stoff; an Schlachtvieh fehlt es auch nicht; Obst, Wein und Gemüse giebt e8 mehr als die vorhergehenden Jahre und doch hungert eine große Masse des Volkes. Am Wechnachtsabend kam hier ein Fall vor. der verdient, erwähnt zn werden. Eine Mutter mit ihrem kranken Kinde im Arm hatte schon an verschiedenen sogenannten WohlihatigkeiiS- Anstaltett um Aufnahme gebeten, doch leider vergebens Müde und der Verzweiflung nahe, legte sie sich unter einen Baum, lieber Nacht starb das Kind und die Sautter war in einem höchst erschöpften Zustande. Nach einer genauen Untersuchung seitens des Bezirksarzles koustatirte derselbe, daß das Kind buchstäblich ver - hungert fei. Dann erst bekam die Mutter Hülfe. Und das Alles paffirt in unserem christlichen Zeitalter, am Weihnachtsabend I Der Fall allein spricht Bände, abge- sehen von den zahllosen Selbstniordeu, die in aller Stille begangen werden. Motiv: Hunger! Die Löhne find in Folge der Stockung sehr herunter - gegangen, wenn altch scheinbar die Lohnsätze der Trades UuionS noch anerkannt werden. Doch dics-s geschieht mir in den wenigsten Fällen. Die Arbeit wiid, wo es angeht, mit Jungen oder Frauen gelhan; jedoch die wirksamste Methode, die arbeitende Masse anszupressen, ist das Kontraktsvstem. Selbst die kleinste und nichtigste Arbeit wird in Kontrakt vergeben. Dieser Auswuchs kommt hauptsächlich auf das Sündenregister der Trades Unions. Dieselben haben mit der Entwicklung unserer modernen Industrie nicht Schritt gehalten und erlauben die Kontraktarbeit. Außerdem sind Besträge und Eiu- trittsgebühren so hoch gegriffen, daß es den Außen- stehenden schwer wird, beizutreten. Auch durch daSFest- halten an den alten Statuten lichten sich die Reihen der Unions mehr und mehr und die Zeit dürfte nicht fern sei», wo neue Bereinigungen, der Jetztzeit eutsprecheud, geschaffen werden, oder die alten müssen ihren Kurs von Grund auf ändern Es fehlt hier an einer tüchtigen und einheitlichen Organisation, um wirksam dem Schwitzfystem entgegenzu treten. Doch wenden wir unseren Blick einmal nach dem feindlichen Lager, wo Herrschsucht und Genußsucht wett- eifern und das Verbrechen (gebrauchen wir den Ausdruck eines Gärtners) auf Mistbeeten gehegt und gepflegt wird. Mitunter kommt so eine Blume der modernen Gesell- schäft, die sonst still im Verborgenen geblüht, an das Tageslicht. Sv folgende Fülle: Der tUiamtgcr (Larkin ist sein Name) der South Melbourne Building Society hat im Laufe von 6 Jahren 60 000 Lstrl. (wenn nicht mehr) unterschlagen. Ein Kollege (Tailor), Manager der Land-Kreditbank, hat es noch besser verstunden. Derselbe vernntreute in kurzer Fest 114000 Lstrl. Dabei waren es fromme christliche Leute, liefen recht oft zur Kirche, spielten die erste Geige bei WohlthätigkeitSveranstaltungen, bekleideten verschiedene Ehrenämter u. s. f. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit und Nächstenliebe stahlen die Kerle wie die Raben! Wie viel andere Geier und Krähen an dem Raube beteiligt, darüber schweigt die Äeschichte. Außerdem sind im kurzen Zeitraum noch ver- diiebene Banken und Battgesellschaften bankerott geworden; das eingelegte Kapital ist in die unergründlichen Taschen der Landbt-sitzer und Grotzkapitalisten gewandert und die share hoiders und Depositors haben das Nachsehen. Unzählige Opfer sind dadurch zu Bettlern geworden; das jahrelange Sparen der Arbeiter hat schöne Früchte liezeitigt Daß das öffentliche Vertrauen durch die letzten iSorgänge einen argen Stoß erlitten, bedarf wohl keiner weiteren Beweise. Sollten die modernen Raubritter ihr Unwesen so weiter treiben, dann Ist die Scheidmig zwffchen Kapital und Arbeit bald vollzogen, ein heftiger Sturm und die Sippfchaft wird von der Erde ver- schwinden. Aus den Siegeijnbei der Arbeiterpartei in V?w- South-Wake« ist eine jähe Ernüchterung gefolgt. Ihre Abgeordneten haben sich bei der Abstimmung, ob Schutz- zoll oder Freihandel, unter dem Didssschen Ministerium zenplittert. Die Herren haben gezeigt, daß fie ihrer Aufgabe nicht gewachsen; hier fehlt das gründliche Studium der Arbeiterfrage, sonst hätten fie zu iffner Ver - ständigung kommen nrüffen. Nun find Vorschläge ge - macht, die zersplitternden Kräfte wieder zu formiren unter dem wässerigen Namen demokratische Partei, Diel- le-cht nach amerikanischem Muster. Bor dem Wort,sozial" find sie wohl noch bange. Der Sozialistische Verein in Svdney unter dem Vorsitz deS Herrn E A. Rosa, welcher tüchtig für unsere Sache agifirt, hat den in Frage kommenden Herren ge - hörig die Köpfe gewaschen, rcsp. den Weg zur Rückkehr und Einigkeit gezeigt; auch die Arbeiterblätter und be - sonders „Tl>e Auftralian Workman", Sydney, verficht die Sache mit Energie. Inwieweit dieses von gutem Einstuß ist, muß die Zukunft lehren. Hamburger Rcchleiks. Hamburg, den 18. Februar. I» der gestrigen Sitzung der Hamburger Bürgerschaft wurden zunächst einige Wahlen erledigt. Eine längere Debatte eutspann sich bei dem Bericht des Ausschusses über den Senatsantrag, betr. einige Abände - rungen der LeihhauSordnnng. Langthimm wünschte, daß der Verkauf oerfaüener Pfänder dem Gerichtsvollzieher übertragen werde, wobei er von Prahl und Dr. Behn unter- stützt wurde, während Kall und Dr. R. Mvuckeberg sich da - gegen auSsprachen Schließlich wurde dem Ausschußantrage entsprechend der Senatsantrag angenommen. Den Rest der Sitzung nahm dann die Diskussion über die Frage in Anspruch, ob die zur äußeren Ausschmückung des Rathhailses bestimmten Figuren, die in den an der Facade befindlichen Rischen Ausstellung finden sollen, in Sand - stein ober in Bronze auszusüdren sind. Der Ausschuß der sich mit der Frage beschäftigt hat, beantragte die Anfertigung von 20 Kniserflcttucn in Sandstein. Die erforderlichen Gelder sollen auf dem Auleihcwege beschafft werden und sollen ferner thunlichst nur deutsche Inschriften am Rathhanse angebracht werden. Haller und Genossen »erlangten Brottzestatuen, S. Hinrichsen und Genossen wollten neben den Kaiserstatnen auch die Standbilder verdienter Männer aus Hamburgs Geschichte ausgestellt wissen. Einige Redner waren gegen die Beschaffung der Geldmittel auf dem Anleihewege und erklärten sich zum Theil gegen die geplante figürliche Ausschmückung. Schließllch wurden sowohl die Ausschußanträge, als auch die Anträge Haller-Hinrichsen und Genossen nebst einem Amendement Hauers, eoent. auch die Ausführung der Figuren in getriebenem Kupfer in Erwägung zu ziehen, angenommen Es trat dann Vertagung ein. Zur halbschichtigen Erneuerung der Bürger - schaft. Bezüglich des Wahlresultats ist noch nachzu - tragen, daß im 17. Bezirk (St. Pauli) die gewählten Kandidaten Dr. O. Dränert 351 und C G. H Hebewig 347 Stimmen, im 18 Bezirk (St. Pauli) I. I F. Witt, maack 314 und H. C. M Zoder 308 Stimmen erhalten haben. Diese LiiikS-Kandidature» mären, wie bereits be - merkt, von den Sorteöyarteien nicht angefixUteu. — Im 21. Wahlbezirk (St. Pauli-Eimsbüttel) haben die gewählten F. R. Krüger und Heinr. W. A. Schmidt, wie mitgetheilt, 239 bez. 291 Stimmen erhalten, während auf die San- bibaten ber Linken Rich Kupsch 171 nnb K Schramm 130 Stimmen entfallen sind. Im 23. Wahlbezirk war neben den gewählten Kandidaten F. E. Carolin und I. W Schobert ein Kandidat R. Pechner (nicht Fentzler) ansgestellt, der 150 Stimmen erhalten hat. LubmifstouS-Ausschrcibe«. Die für den Dag. gereibetrirb des Wasserbau-Bezirks „Hamburg" erforder - liche Siefentng von Holz soll für das Jahr 1892; die Lieferung und Anbringung von 211 Gaslampeu für den Stadthaus - Erweiterunasbau soll im SnbmissionSwege Dergebet! werben. Die Bedingungen nebst Zeichnung find im Vorzimmer der Finanz-Deputation werktäglich von 10 bis 4 Ahr zur Einsicht ausgelegt. Verklarung werden belegen: Schiffer Schien, Schlepper „Reuhof", am Freitag, 19. Februar 1892, um 2 Ahr Nachmittags, über eine am 19 Januar a. c. auf ber Elbe stattgehabte Kollffion; Steuermann Sprenger, Bugfirbampfer „Graf Moltke", am Freitag, 19 Februar 1892, nm 2j Ahr NachnttttagS, Über eine am 9. De. jembet 1891 im hiesigen Hafen stattgehabte Kollision; Schiffer Joh. Svendsen, Dampfschiff „Serapis", kom - mend von der Westküste Amerikas, am Freitag 19. Fe - bruar 1892, um 2.S Uhr Nachmittags. Eine öffentliche Berfaunnlung, in welcher Dr. Reich über Gesundheitspflege, naturgemäße Heil - kunde ic. sprechen wird und in welcher über die Petition an den Reichstag, betr. Zulassung der Naturärzte bei den Krankelikafieti, berathen werden soll, findet am 2 März bieje« Jahres, Abends 8j Uhr, im vormals Tinges Etablissement statt. Jitvalibitäts- und Altersverslchernng. lieber ben Unisang des Kreises ber Personen, welche der Jn- validitäts- und Altersversicherung unterliegen, sollte nach ben zahlreichen Besprechungen, die dieser Gegenstand in der Presse gefunden hat, ein Zweifel kaum noch möglich sein. Und doch finden sich auch hierüber noeb Unklar - heiten. Dies gilt namentlich in Betreff der Berücksichti - gung der Grenze eines Einkommens von 3t. 2000. Bon Bedeutung ist dieser Punkt nur für die Versicherung der Betriebsbeamten und der Handlungs gehülfeu; haben diese ein Einkommen von mehr als Jt. 2000, so gehören sie nicht mehr zu den versicherniigs- pflichtigen Personen. Dagegen ist eS für die Bersiche- rungspslicht der übrigen, dem Gesetze unterstehenden Per - sonen gleichgültig, wie hoch sich ihr Eiukoninten beläuft. Ein Arbeiter, ein Gehül'e z. B. ist versichernngspflichtig, auch wenn sich sein Emkomiiien auf mehr als JL 2000 beläuft. Maschiuistett-Prsifnngen. Während des Jahres 1892 werden im Deutschen Reiche folgende Maschinisten- Prüfungen abgehalten: 8. März: Rostock; 21. März: Stettin; 13. April: Danzig; 2. Mai: Ham - burg ; 8. Juni : Bremerhaven; 28. Juni: Flensburg; 1. August: Hamburg; 28. September: Bremerhaven und Rostock; 31. Oktober: Hamburg und Stettin; 8. No - vember : Flensburg; 14. Dezember: Danzig. Am hcntige» 2. ZirhnngStage brr 4. Klasse ber 301. Hamburger Stadtlotterie wurden fol- geube Nummern mit nebenstehenden Hauptgewinnen gezogen: Rr. 76411 mit M. 5000. Nr 40636 mit X 1500. Nr. 92776 93187 mit je J4 500. Nr. 6376 13546 18479 18699 59360 71487 -mit je 300. Nr. 2254 5061 6715 8675 ,10429 40888 45540 54866 60724 60966 76578 92564 97041 98177 mit je 3t 150. Der neu gegründete Verein ber Zivilbernfs- mitfiter hielt am Mittwoch SSotmittag in der „Lessing- halle" seine erste Mitgliederversammlung ab. Zunächst fand die Wahl des Vorstandes statt. Als erster Bor- fitzender wurde Kegel, als zweiter Rix, als erster Schrift - führer Schulz, als zweiter Ritze, als ffaffirer Kammeyer, als Beisitzer Lüders und als Revisoren wurden Sauer - berg, Jesse und Köselau gewählt. Alsdann fand die Be - rathung des Tarifs statt, an dem mehrfach Aenderungeu gewünscht wurden. Insbesondere sprachen sich einige Redner gegen die Tariiunterschiede bezüglich der ersten und zweiten Stimme aus. Der Tarifsatz für die zweite Stimme bei festem Engagement zum Konzert in Bier- Hallen in Höhe von M. 90 monatlich wurde als zu niedrig erachtet. Bon anderer Seite wurde bemerkt, daß man den im Musikergewerbe zur Z it herrschenden Ver - hältnissen Rechnung tragen müsse und erst nach und nach besseruo Hand aulegeu könnte, um befriedigende Ver - hältnisse zu schaffen. Schließlich wurde der Taris ge - nehmigt. Wegen vorgerückter Zeit erfolgte alsdann Schluß bet Versammlung. „lieber die Entwicklung bet Unternehmnn- fleM* hielt der bekannte Kaihedersozialist Professor Dr. Sckmoller ans Berlin am Dienstag Abend im Verein für Kunst und Wissenschaft bei Sagebiel einen Vortrag, der wesentlich Neues nicht bot und die bekannte Weis - heit der Kathedersozialisten zu Tage förderte, wonach der Staatssozialismus, als dessen Anfang die f»ge - nannte .Sozialreform" zu betrachten ist, die sozialen Verhältnisse bessere und die unzufriedenen Arbeiter zur Vernunft bringen würde. Es verlohnt sich nicht, näher darauf einzugehen. HanS Blnm verschaffte unser»r Redaktio» und Expedition heute Abend gegen 5J Uhr eine lleberraschung. Der kleine Sohn seines großen BaterS suhlt sich durch einen Artikel in der Nr. 284 de« „Hamb. Echo" vom 4. Dezember v. I., unter der Stichmarke „Der Lügen- Hans und die Baterlandsliebe", beleidigt und hat Klage erhoben. In Folge dessen erfolgte beute Abend tue polizeiliche B«s-rst!igur>l,me der betreffenden Nummer. —t. Bon bet Elbe und Schifffahrt. Obgleich es nur wenige Tage sind, daß wir Frostwetter haben, so hat sich die Elbe schon so dicht mit Treibeis anqe- füllt, daß die Schifffahrt dadurch schon sehr beeinträchtigt wird. Sind es im hiesigen Hasen auch nicht die Dampfer, die nicht recht vorwärts können so sind es es doch andere Fahrzeuge, welche dem Verkehr dienen sollen, welche durch das Treibeis Hemmung erfahren. Mit Schuten und Jollen ohne Schleppdampfer gegen den Strom anzukommen ist fast unnchglich. Glücklicherweise setzt sich das Eis nicht fest, da die Strömung nach der See zu so stark ist, daß selbst bei der Flnth das von der Oberelbe kommende Eis abfließt. Würde bedeutender Schneefall eintreten und das Frostwetter anhalten, io würde es in wenigen Tagen mit der Schifffahrt vorbei fein. Nach den von der Nordsee eingetroffenen Witte- rnngsberichten scheint aber Thauwetter im Anzuge zu sein. —t Ilngliicksfällc im Hafen. Zwei Schauer- lcute. welche heute Morgen auf zwei verschiedenen Schiffen das Malhör hatten, in den Schiffsraum zu fallen, trugen bedeutende Verletzungen davon. Der Eine zog sich einen Rtpvenbruch zu, während der Andere sich den Kopf -chwer verletzte. Beide wurden in das Seemannskrankenhaus geschafft. in. Unglücklicher Fall. Ein in der Borgfelder - straße wohnender älterer Handwerker kam vorgestern Abend, als er mit einem Packet unter dem Arm von einem sich in der Fahrt befindenden Straßenbahnwagen sprang, so unglücklich zu Fall, daß er eine schwere Ver - letzung der Kniescheibe erlitt. Er wurde sofort von einem Arzt verbunden und dann auf seinen eigenen Wunsch dem Krankenhause zugeführt. —t. Unglückssall. Der Schuhmacher Z. zeiwe gestern Abend in einer Wirthschaft in Eimsbüttel eine ganz bedeutende Zungeusertigkeit nachdem er einige GrogS über die Zunge hatte gleiten lassen. Jedenfalls glaubte er, daß der Grog auch seine Beine |o geschmeidig gemacht hätte, wie seine Zunge, denn sonst wäre es un - verständlich gewesen, daß der Mann, der noch niemals außerordentliche Elastizität in seinen Beinen gehabt Hat, Sprünge zu machen versuchte, wie mau sie sonst in einem Zirkus zu machen pflegt. Das hatte zur Folge, daß er sich eine Knochenverletzung des I nken Fußes zuzog, welche ihn nöthigte, sich in das Eppendorser Krankenhaus zu begeben. —t SinbrnchSdiebstahl. In dem Manufaktur- waarengeschäst von Hagen u. Hinsch, Ecke Schaarmarkt und Schaarsteinweg, sind in letzter Nacht mittels Ein- bruchs für zirka 3t. 2000 Manusakturwaaren, größten- theils Scidenstoffe. gestohlen worden. Die Diebe sind in das Geschäft gebningen, indem fie eine nach dem Laden führende Seilenthür sprengten. Durch die eigent - liche Eingangsthür, auf welcher der Schlüssel von innen steckte, sind sie wahrscheinlich mit ihrer Bente abgerückt. Wahrscheinlich waren die Diebe mit den örtlichen Ver - hältnissen oertraut. Die Herren Hagen u. Hinsch haben X 30 ausgesetzt für Denjenigen, der ihnen die Thäter nachweisen kann. Vermißt werden seit 15. d. M. der Arbeiter Johann Michels, 34 Jahre alt, Hammerbrookstraße 73 wohnhaft; seit 13. d. M. der Bäckergeselle Heinrich Schulte, 30 Jahre alt, Langergang 46; seit 14. d M. der 14jährige Wilhelm Wüpplinger, Heittnanustraße 24; seit 16. d. M. der 36 Jahre alte Arbeiter Friedrich Wieder, Südcrstraße 25; seit gestern der 13jährige Haus Heinrich Niels, Hermannsthal, Dreiers Wohnungen 11. Fencrmeldnugen. Gestern Abend 6 Uhr gerieten Eimsbüttelersiraße 19 in einem Zimmer Kleider in Brand. Um 8j Uhr sand OHIsdorferstraße 59 ein Schornsteinbrand statt. Um 9^ Uhr geriethen Wands, bekerstraße 36 ein Sopha und eine Tischdecke in Brand Nachts 12» Uhr brannte die Bekleidung eines FensterS im Hause Lindenallee 7. Neuer Steinweg 98 geriethen heute Nachmittag 3 Uhr Balken in Brand. Diebstähle. Einem Zimmermann, der mit zwei Unbekannten eine Bierreffe machte und dabei betrunken wurde, stahlen seine Begleiter die Uhr nebst Kette und verdufteten damit. - Ein aus Oldenburg gebürtiges Frauenzimmer stahl bei einem Schneidermeister in der Mühlenstraße eine goldene Uhr nebst Medaillon und Kette. Die Diebin tarn in Hast. — Während eine in ber Biktoriastraße wohnende Schankwirthin gestern einen Seschäftsweg besorgte, räumte ein Dieb in ihrer Woh. nnng den Kleiderschrank aus und stahl u.A. einen werth- vollen Mantel, mehrere Regen- und Sonnenschirme. — In Harburg stahl ein Bettler eine silberne Uhr. Deri Uhrwähler wurde nebst zwei Komplicen hierlelbst in ber Haminerbrookstraße verhaftet, als er die Uhr versetzen wollte. — Vom Treppenflur des Hauses Neuer Siein- weg 77 sind abermals Bettstücke gestohlen worden, mich. 0™ bereits in voriger Woche ein ähnlicher Diebstahl ausgeführt worden ist. Der Dieb muß genaue Lokalkeuntuisse besitzen und wissen daß der Wohnungsinhaber eine bestimmte Zeit in feinem nebenan belegenen Laden beschäftigt ist — Beim Entwenden einer Kiste mit Waareu von einem Geschäftswagen am Neuen Steinweg wurde ein Gelegen- hettsarbeiter abgefaßt der im Verdacht steht, schon öfter ähnliche Diebstähle ausgeführt zu haben. Er wurde in Jpaft genommen. — Das Gleiche geschah mit einer Arbeiterin aus Ottensen und deren Liebhaber, die in voriger Woche einem betrunkenen Menschen Uhr und Kette raubten und die nun gestern in einer Kaffeeklappe ermittelt wurden. — In vorletzter Nacht überfielen zwei unbekannte Männer bei der Großen Michaeliskirche einen Hasenarbeiter, mißhandelten ihn und raubten ihm seine Uhr nebst Kette, womit fie die Flucht ergriffen. — Eine Satte, enthaltend für Jt. 6 50 Brot, stahl man Abends dem Bäcker Streicker im Rademachergang. — Dem Packetfuhrmann Loos stahl man gestern Abend 9 Uhr in der Hammerbrookstraße ein Faß Butter im Werthe von X 60. — Gestern Abend stahl man bei Tetzlaff, Poolstraße 20 einen Damenmantel im Werthe von X. 50. Aus dem Lagerkeller des Malers Titins, Borgfelder Allee 1, stahl man einen Herbstpaletot und ein Jacket. m. Diebstähle. Einem in der Bethesdastraße in Borgfelde wohnenden Geschäftsmann wurde, während derselbe sich in einem Wirthschaftslokul befand, ein seidenes Halstuch und ein Packet, welches verschiedene Wäschegegenstände enthielt, euttvendet. — Wahrscheinlich von einem Einschleicher wurde einem in der Borgfelder Allee wohnenden Maler ein Sommeniberzieher und ein Jacket gestohlen. Bon Bauernfängern anckgevlünderl wurde etn Stellmacher aus Breslau, der in Ahrensburg in Be - schäftigung gewesen ist und nun nach seiner Heimath zurückkehren wollte. Am Berliner Bahnhof traf er zwei Unbekannte, die sich als seine Landsleute ausgaben und mit ihm in eine Wirthschaft gingen, wo sie ihm beim Kümmelblättchenspiel seine goldene Uhr nebst Kelte und Medaillon, sowie X 30 Haares Geld abnah,neu. Zu seiner Beschwichiigung gab ihm einer der Gauner drei sogenannte „Blüthen", die der Stellmacher indem Wahn, es feien Zwanzigmarkstücke, einsteckte, um nachher, als sich die Gauner entfernt hatten, gewahr zn werden, daß er wertdlose Spielmarken erhalten habe. Kcstohleu wurden von einem Wagenplatz in der Kampstra sie, nachdem die Diebe ein Schauer erbrochen, 26 leere Säcke: am Pinnasberg 2 Körbe, welche in einem Laden zur Schau ausgehängt waren; in der Eims- büttelerftrajje ein Korb mit Brot; einem Mechaniker an der Reeperbahn eine Partie Walzblei und in der Kamp - stra ße ein Handziehwagen. Aus Noth will ein Makler gehandelt haben, der heute verhaftet wurde, weil er zwei Konditoren je M.25 abgenommen hat unter dem Borgebeu, ihnen Stellen aus einem Schiff zu verschaffen. Er hat sich aber gar nicht darum bemüht und sich trotzdem geweigert, den Leuten das Geld wieder zu geben Einen gefährlichen Kunden fand man heute Morgen unter einet Treppe in der Kielerstraße versteckt und verhaftete ihn. Der Mann hatte einen scharf ge- ladeneit Revolver bei sich und gab an, er hätte sich da - mit erschießen wollen. Ein schwerer Unglütksfall pafsirte vorgestern Abend einem Kutscher der Eimsbütteler Linie, als er bereits nach Beendigung seiner Tour im Depot war. Im Begriff, vom 5Bugen zu steigen, wurde sein Wagen von einem anderen angerannt, der Kutscher wurde durch den Anprall vom Bock geschleudert und erlitt einen Schädelbruch. Altc^Schwiudcl in uencr Auflage. In einem Lokal am Schulterblatt offerirte gestern ein Mann einem Anderen ein angeblich goldenes Medaillon für K 7. Ein Dritter, der hinznkam. bot ihm 3t. 5,60, woraus der Verkäufer aber nicht eingehe» wollte. Nach der Ent- ernuug deS Dritten warf der Medaillonbesitzer so neben - bei hin, das fei ein Goldarbeiter gewesen und bewog den Anderen dadurch, das Medaillon für * 6 zu kaufen. Nachher stellte es sich heraus, daß das Medaillon unecht und keine Mark werth war. —t. Zerrissene Freundschaft. Von einem Ste - ward und einer Stewardeß auf dem Dampfer „Monte- uibro" tonnte stets behauptet werden, daß sie ein wahr - haft kollegialisches Leben führten und bestrebt waren, sich das Leben so viel wie möglich zu versüßen. Um so un - verständlicher war es aber, daß gestern bei einem Streit zwischen den Beiden der Steward gleich zur That schritt und die Stewardeß „nach Noten" durchprügelte Die Folge davon war, daß von der Mißhaudelten Anzeige erstattet wurde und man den Prügelhelden in Hast nahm. AnS Altona. Wahlen -er Beisitzer zum Gewerbegericht. Wie ber-fts mitgetheilt, erschien von den Arbeitgebern der Gruppe I Niemand zur Mahl. Don ben Arbeitern waren 19 am Platze, davon wurden 2 wegen mangel - hafter Legitimation zurückgewiesen. Die übrigen 17 wählten sämmtlich den Perlmutterarbeiter Voss und den Werkzeugmacher Mose r. Interessanter gestaltete sich die Wahl bei der Gruppe JI. Die erschienenen 18 Arbeitgeber wählten die Schlofferrneister Ellrich und Hagemann. Bou den 407 an der Wahlurne erschienenen Arbeitern dieser Gruppe konnten 2 wegen mangelhafter Legitimation ebensalls nicht zugelassen werden. Bei der Auszählung der Stimmzettel sanden sich aber statt 405 bereit 411, sodaß jedenfalls 6 Wähler die Zettel bei der Zusammensaltniig doppelt genommen hotten. 405 wurden für gültig erklärt. Diese lauteten sämmtlich auf die Namen des Schlossers Krönert und des Formers E u g e l m a n n. Eine brillante Einrichtung ist die für die Wahlen zum Gewerbegericht getroffene Nicht allein daß es grabe- zu unmöglich ist, die zu einer Gruppe gehörenden Wähler in der Zeit von lt Stunden abzufertigen, sind die Räum - lichkeiten in der „Plassenburg", so groß sie find, doch nicht zur Abfertigung der Leute geeignet. Gestern Abend z. B-, als die Gruppe H, Metallarbeiter, in Stärke von 407 Mann zum Wählen erschien, füllten die Anwesenden nicht nur das Wahtzinnner, sondern auch noch beide ge - räumigen Säle des Etablissements derartig, daß Die - jenigen, welche ihrer Wahlpflicht genügt hatten, nicht wieder zurück konnten und durch ben Garten bann auf einer Leiter eine Planke übersteigen und von der anderen Seite auf einer Leiter wieder binunterflettern mußten, um einen Ausgang nach der Mühlenstraße zu gewinnen. Wer nm 7£ Uhr in ben Sälen war, wurde zum Wählen noch zugelassen, sonst hätte die Hälfte ber Leute ihr Wahlrecht nicht auSüben können. Der Letzte wurde denn auch glücklich um 8| Uhr abgefertigt. Das Auszählen ber Stimmzettel dauerte bis gegen 10 Uhr. Nicht besser ging es heute Mittag zn, als die Arbeiter bet Gruppe 111 zum Wählen erschienen. Bis auf die Straße stauben die Leute und mußten stundenlang warten, bis sie an die Reihe kamen. Es wäre ganz unmöglich gewesen, daß sich die Abgefertigten wieder hätten durch die Menge ber Wartenben zurückbrängen können. Sie mußten wieder famint nnb sonders den Weg über die Leiter und die Planke nach der Mühlen- straße antreten. Gewählt wurden übrigens von den Arbeitgebern der Gruppe III ber Zimmermeister Stahl und der Maurermeister Lehmann, von den Arbeitern ber Zimmerer Schröder und der Maurer P e e ck. Zirkus Busch. Nach dem großartigen Erfolg ber neuen Wasser-Pantomime überraschte Direktor Busch am Dienstag Abend das Publikum schon wieder mit einer hervorragenden Novität, welche um so seheuswerther ist, als sie zu der Kategorie des „Noch nicht Dagewesenen" zählt. Es sind dies die d r e s s i r t e n Adler des Herrn Prof. Langeneck, 6 prächtige ausgewachsene Thiere. ES ist kaum glaublich, was für Kunststücke Langeneck dem bisher für undresfirbar gehaltenen „König der Lüste" beigebracht hat. Natürlich würde mau sehlgeheu, wollte mau die Dressur der Adler etwa mit den Leistungen ge - lehrter Kakadus ic. vergleichen, trotzdem aber haben es die Zöglinge des Herrn Langeneck schon bis zum Kugel- und Walzenlaufen, Treppensteigen, Schunkeln und Be - lo,ipedsahren gebracht. Auch sind sie sämmtlich, wie die Papageien, „fingerzahm". Gewiß werden Biele nicht versäumen, sich die intereffante Prodnktion anzusehen. Betriebsunfälle. Einen tödtlichen Ausgang nahm ein UniaD, ber gestern einem Mühlenarbetter bei ber Dampfmühle pafsirte Er fiel von einer Schute in bie Elbe und ertrank. Seine Leiche wurde eine Stunde nach dem Unfall auS dem Wasser gefischt. Beim Schneiden von Brettern gerieth gestern ein Zimmerer in einem Baugefchäft in Langenfelde mit der linken Hand in die Säge nnb verletzte sich ben Daumen in erheblicher Weise. In einer Damvisägerei in der Friedrichstraße fiel gestern ein Stapel Bretter um und einem Arbeiter aus ben ’nfen Fuß. Derselbe wurde erheblich gequetscht. Dir Plaue für die projektirte Pferbrbahu von der Klvpstvckstraße über Bahienseld nach Blankenese find dieser Tage im Beisein der Direktoren der drei hiesigen Pferdebahnen geprüft. Eine Einigung über die Abtretung vou Terraitftretfcn, welche zur Verbreiterung der Elb- chaussee benöthigt werden, ist zwischen der Stadt und allen in Betracht kommenden Anliegern, mit Ausnahme etiieä einzigen, erzielt worden G- gen Letzteren wird das Enteignnngoverfahreii beantragt toerbeu. Die Profitwnth mancher Unternehmer über- steigt wirklich alle Grenzen. Weiin sich brr Berbacht wegen dessen der Besitzer einer Dainpfniühle in Lokstedt geftern verhaftet wurde, bestätigt, dann dürste es dein Manne nicht grabe besonbers angenehm bekommen. Er soll nämlich oon bent Mehl, welches er aus ihm zum Mahlen überbrachten Korn gewann, einen Theil zurück, behalten unb bie Differenz durch seingcsiebten Sand ersetzt Huben. Man fand aus dem Hose »och za. 10 bis 12 Suber des betreffenden Sandes. Der Heizer und Werk, sührer in dem Geschäft, welche von den erbärmlichen Machinationen Kenntniß haben sollen, find nicht ver- haftet worden, doch ist gegen dieselben eine Untersuchnna eingeleitet worden. Angenehm überrascht sind die Direktionen der hiesigen Pferdebahnen grabe nicht durch die Bestimmung, daß bie Borniusterm'g für alle in Altona vorhanbenen Pferbe nicht wie bisher bei den Pferdebahnpferben in ben Ställen bes Depots, sondern auf dein Platz an ber Allee und Goethestraße stattfinden soll. Dadurch würde der ganze Pferdebahubetrieb an dem betreffenden Tage gestört ive,den. Früher wurde die Musterung der Pferde der Trainwaybahnen regelmäßig tu den Ställen vor. genommen. Wcgcu Unfugs, Bettelns, Umhertreibrns U. s. tu. kamen gestern 6 Personen in Hast. 5 Obdach, lose wurden in Schutzhaft genommen. Gestohlen wurden gestern einem iu der Weiden, straße wohnenden Schneidermeister vom Korridor ein Ueberzieher und einem iir der Reichenstraße wohnenden Küper vorn Boden eine große Anzahl Gardervbestücke und ein Kopfkiffenüberzng, in den wahrscheinlich bie an. deren gestohlenen Sachen gesteckt worden sind. Bcrmißt wirb seit bem 16. b. M. ein in der Blumeifftraße wohnender 52 Jahre alter Schuhmacher und seit dem 14. b. M. ein Sckmlkuabe, der feinen Eltern aus Furcht vor Strafe entlaufen ist. Gin Frevlcr riß gestern in ber Linbenstraße von einer elektrischen Glocke ben Draht ab nnb lief dann eiligst bavoii, ohne erwischt zu werben. Iu Haft genommen mürbe heute ein 18 Jahre altes Mädchen, welches verdächtig ist, mehrere in ber letzten Zeit vorgekommene Diebstähle von Brotbeuteln in der Arnoldstraße verübt zu haben. Ans Wandsbek. in. Ein cntfetzUcher Unglücksfall ereignete sich vorgestern Nachmittag in einer hiesigen größeren Leder - fabrik. Als daselbst uänilich einer der Arbeiter an einer der dort ausgestellte» Maschinen beschäftigt war, kam er dem Räderwerk so nahe, daß ber Hembärmel bes rechte» Armes davon ersaßt wurde. In Folge dessen gerieth der Unglückliche mit dein Arm in das Räderwerk und der Arm wurde drei Mal gebrochen. Der Schwerver - letzte, welcher vor Schmerz ohiimächtig zusammengebrochen war, wurde zunächst von einem schleunigst zu Hülse gerufenen Arzt verbunden und bau» in einer Droschke in seine Wohnung besörbert. m. Eine Petition an die Berwaltnng der Hambnrg-Lnbcker Eisenbahu wollen bie Bewohner der beuachoarten Ortschafteu uiio zwar bis nach Ahrens - burg hin abgehen lassen Die Petition soll den Zweck haben, die Bahnverwaltung zu veraiilasseu, einen Frühzug — der erste Zug dieser Strecke langt näinlich erst um 8 Uhr 35 Miii. in Hamburg an — einzusühren, damit Geschäftsleute, kleinere Beamte u. s. w., welche in de» an dieser Strecke belegenen Ortschaften aus Gesundheits - rücksichten oder der billigeren Miethe halber wohne», schon in früherer Morgenstunde in Hamburg eintreffen können, um ihren Geschäften nachgehen zu können. In der Petition soll ferner ausgesührl werden, daß durch die Einführung von Frühzüge» die Ausieblung in ben in Frage fomnienbe» Ortschaften bedeutend gehoben würde, wodurch der Bahnverkehr sich ebenfalls zu einem noch lebhafteren gestalten würde. R«ö Harburg. s Ein falsches Zweimarkstück mit der Jahres - zahl 1876 und dent Piägezeichen B. wurde oon einer Händlerin iu der Elisenstraße eingenommen und der Polizei ei »geliefert. s. Gestohlen wurden einem Bllreaudiener M. 70, welche er in seiner Wohnung in einem Korb, unter feinem Arbeitszeug versteckt, aufbewahrt hatte — Eitlen» Kaufmann in der Wilstorferstraße stabl man zwei Rahm - käse, sowie mehrere Flaschen Rothwecn. AuS Schleswig-Holstein. Siel, 18. Februar. Provinzial-Landtag. Der Provinzial-Landtag ist, wie der „ReichSanz." meldet, zum 28. Februar nach Schleswig berufen. Itzehoe. An der Beerdigung unseres Genossen Wilhelm Hamann haben sich die hiesigen Arbeiter uner - wartet zahlreich betheiligt Der Verstorbene hatte bas aber auch verdient. Die ganze Zeit des Sozialisten - gesetzes über hat er trotz seiner Stellung auf ber Zement« fabrif, wo er einen Posten als Chemiker betteibete, treu zur Fahne geftanben. Wie unter ben Parteiangehörigen, so war er auch in ber Fabrik beliebt, sowohl bei ben Arbeitern, wie bei feinen nächsten Meistern, welche ihm ebenfalls bas letzte Geleit gaben. So kam es, baß 7—800 Mann seinem Sarge folgten. Auch bie Kranzes - spenbe war großartig, sowohl oon ber Netzfabrik, wo bie Gattin des Verstorbenen arbeitet, wie Oon ber Zement, fabrif. Für das Tragen von Kränzen mit rothen Schleifen seitens der verfchiebenen Vereine war polizei - liche Erlaubniß eingeholt. Aber bas Sprechen am Grabe war von der Kirchenbehörbe verboten. Aus verfchiebenen Stäbten unserer Umgebung waren Deputationen mit Kränzen erschiene», so aus Neuntünster, Kellinghusen, Lägerbors unb Krempe. Von zwei Musikkorps begleitet, welche sich freiwillig erboten hatten, gelangte ber Zug langfam unb feierlich zur Grabstätte. Siel. Vergnügen oder Versammlung? Diese Frage hatte die Polizeibehörde hierselbst kürzlich zn entscheiden Aus Grund der bekannten Verordnung beS Regierungspräsibenten zu Schleswig, wonach oon sogenannten politischen Vereinen oeranstaltete Ber- gnügungen als Bersammlungeu zu betrachten sind und deshalb Damen an solchen Vergnügungen nicht theil - nehmen dürfen, wurde auch ein vom Verein der Bürsten- nnd Piuselmacher proj-ktirteS Vergnügen verboten, trotz - dem aber iu üblicher Weise abgehalten. Die Folge war ein Strosmandat gegen den Bo,sitzenden iu der Höhe von .K. 10 wegen der Betheiligung von Frauen an einer politischen Versammlung. Da bie Beranügmtgssteuer in diesem Falle für ben in Betracht kommeubeii Saal >1. 30 betragen haben würbe, so trug ber mit .ff. 10 Bestrafte anderen Tages die Summe mit der feelciv uergiiügten Gewißheit aufs Stadthaus, daß er durch die Verfügung der Polizei M. 20 gespart habe. Hier ange- fommen, verlangte man aber vou ihm. außer den X 10 für eine nicht im gesetzlichen Sinne abgehaltene Versammlung, auch noch X 30 Steuer für ein abgehalteues Vergnügen. Voll Verwunderung über diese Auslegung erlaubte sich nun der schlichte Arbeiter die bescheidene Aeußerung, daß nach der eigenen Ansicht der Polizeibehörde es sich doch um eine „politische Versammlung" und nicht um ein „Vergnügen" gehandelt habe, folglich auch keine Ver - gnügungssteuer erhoben wei den könne. Bor diesem einfachen Rechtsbewußtsein eines schlichien Arbeiters vermochten auch die Gründe der Polizeibehörde nicht Stand zn halten und nun mußte dem diabolisch lächelnden Delin - quenten eingestanden werden, daß er hierin allerdings Recht habe und nur einen Tod sterben könne. Damit aber dieser Tod ein nicht zu gelinder würde, zerriß man flugs das erlassene Strosmandat (was, beiläufig gesagt, nicht zulässig ist) und stellte nunmehr eine Quittung aus über X 30 Vergnügungssteuer. Somit war das zuerst behördlicherseits als eine „politische Versammlung" be - trachtete Vergnügen jetzt auch von der Behörde zu einem Beretnsvergnügen gestempelt worden. Frohen Muthes aber trollte der zuerst Bestrafte unb ohne Richterspruch loieber Freigegebene sich jetzt nach Hause. Mit bem Re - sultat feiner Mission war et ganz |ufrieben. Wesselburen. Arn 16. b. M fcmb hier im Meister'schen Saale eine öffentliche Volksversammlung statt, zu welcher sich gegen 400 Personen eingtfuubto hatten. Genosse Kl ü ß-Elmshorn und Fra» Kühle». Wanbsbek sprachen in bttjelbeu unter allseitigem Beifall.