Rr. 28L. !!♦ Aahrganq Mm lunger Echa Da» „Hamburger Sch»" crldjeint täglich, außer Montag,. Der «bonnemcntSprciÄ (uitl. „Die Neue Welt") beträgt: durch die Post bezogen (Vit. de« P°st> fatiilog, 3334) ohne Brmgegeld vierteljährlich K 3,60; durch die kolportöre tvSchenU. 30 4 frei in'. Hau« 0in|clne Viumiiitr 5 4 Sountagr-Nmuuier mit illustr. Sonntag, Beilage „Die Neue Welt" 10 4- Berauttvartlicher Nedaktör: Gustav WaberSkl) in Hamburg. Donnerstag, den 6. Dezember 1900» Anzeige» werden die lechsgespaltcue Pctitzeile oder deren Raum mit 30 4, für den ArbeitSmarkt, VcrmirthuugS- und Familicuanzeigeu mit 20 4 berechnet. Anzeige«-Annahme in der Expedition (bis 6 Uhr Abends), in den Filialen, sowie in sämmtlichen Annoncen-Vürean«, Rcdaltion und Expedition: Grohe Theaterstrahc 44 in Hamburg. Ist! tdl »tt ♦ Nord - St. Pauli, Eimsbüttel, Laugenfelde, Lokstedt und Eidelstedt bei Carl Dreyer, Belle Alliancestr. 54, pt. l., Eimsbüttel. Hoheluft, Eppcudorf, Eroh-Borstel, Fuhlsbüttel, Ohlsdorf und lilllllini ♦ Wittterhudc bei Ernst Großkopf, Lehmweg 51, Eppendorf. Barmbek, Uhlenhorst bei Theooor Petereit, Heitmannstraße 12, Barmbek. St. Georg, Hohenfelde, Borgfclde, Hamm, Horu und Schiffbek bei Carl Ortel, Baustr. 26, Hs. 8, 1. Etage, Borgfelde. Hammerbrook, Rothenburgsort, Billwärder und Veddel bei Rud. Fuhrmann, Tchwabenstr. 33, Hammerbrook. Eilbek, Waudsbek und Hiuscheufelde bei Franz Krüger, Sternstr. 36, Waudsbek. Altoua bei Friedrich Ludwig, Vürgerstr. 89, Altona. Otteusen, Bahrenfeld, Othmarschen-Blankenese bei Johannes Heine, Erdmannstr. 14, Ottensen. Hierzu eine Beilage. „Die Welt will getäuscht sein." Wie hat man sich einst im liberalen Biirger- thum über diesen Spruch moqnirt und über das Pfaffcnthuin, das nach dieser Maxime verfahre und vor der Welt einen Glanben und eine Flömmig- keit znr Schon trage, deren es innerlich entfremdet ward! Wer hätte damals gedacht, daß ein bürger - licher Gentleman, der einen resp, den Typus der Großbourgeoisie repräseutirt, denselben Spruch als seine Leib-Devise in sozialpolitischen Dingen, im Verhalten gegen die Arbeiterschaft, mit cynischem Lächeln in Anweudnng bringt! Und um wie viel gemciuschädlicher ist solches sozialpolitisches Koutödiantenthum als das pfäffische, zu dein es sich ungefähr verhalten mag wie die Influenza zum Schnupfen. Aber wie! — Erklärte nicht der „Hamburgische Correspoudent" die betreffende Stelle des Laeisz- schen Briefes als eine ironische Aeußerung des Mißbehagens, das der große Rheder gegenüber dem büreankratischeu Reglenientirsystcm empfunden habe? Als wir diese geistreiche Interpretation lasen, fiel uns alsbald die Stelle im 3. Theil von Heines „Reisebildern" ein, tvelche erzählt, Ivie der Dichter - in Dtünchen dem Kellnermädel Naunerl, das die Ironie für eine Biersorte gehalten hatte, aus- eiuaudersetzt: Ehemals, liebes Kind, wenn Jemand eine Dummheit beging, was war da zu thun? DaZ Geschehene konnte nicht ungeschehen gemacht werden und die Leute sagten: der Kerl war ein Rindvieh. Nun aber ward ein rückwirkendes Mittel erfunden, wodurch mau jede Dummheit gleichsam ungescheheu machen und sogar in Weisheit nmgestalteu kann. Es besteht darin, daß mau erklärt, mau habe jene Dummheit blos aus Ironie begangen und gesprochen, -r- Wir verwahren uns ausdrücklich gegen die Unter- stellnng, als tvollten wir auch das zoologische Wort in dem Zitat auf 5en seligen Laeisz beziehen. Das liegt uns ebenso fern wie die Auffassung seines Briefes resp, jeiirer Gesinnung als Dimimheit. Sie ist etwas ganz Anderes. Nach Büchmann stammt das allerliebste Sprüch - lein aus dem „Narrenschiff" von Sebastian Brant, dem wir im vorige» Jahre an dieser Stelle einen Fastnachtsartikel gewidmet. Was aber der Satiriker nur konstatirt, das postulirt dessen Zeitgenosse M a c ch i a v e l l i in seinem berühmt- berüchtigten Buche „Vom Fürsten" sehr ernsthaft von den Herrschern und stempelt es zur Maxime monarchischer Herreumoral. Er erklärt im 18. Kapitel, es wäre sehr nachtheilig für eilten Fürsten, stets redlich zu sein. Aber fromm, treu, menschlich, gottesfürchtig, redlich zu scheinen, ist sehr nützlich. Ganz besonders empfiehlt er den Schein der Frömmigkeit. Denn „Jedersieht, was Du zn sein scheinst; Wenige aber merken, wie Du beschaffen bist", und Diese wagen nicht leicht, der Mehrheit zu widersprechen. Die imbeschräukte Macht braucht keine Verstellmigs- maske zu tragen (die ja manchmal unbequem und lästig wird). Der Löwe verläßt sich nicht auf Täiischrmg, aber der Fuchs. Nur wo die Gewalt versagt, greift man zur List. Erst als die Fürsten die Revolution zu fürchten hatten, gesellte sich der Macchiavellismus zur ungeschmiiikt brutalen Despotie. Ebenso auch die herrschende Klasse in ihrem Verhalten zum Proletariat. Mit der von der sozialistischen Arbeiterbewegung ihr aufgezwungeiien sozialpolitischen Aera eignet sie sich mehr und mehr die Laeisz'sche Maxime an und macht davon ausgiebigen Gebrauch, uud man muß sagen: sie ist bisher nicht schlecht damit gefahren. Sie hat es mit ihren diversen Praktiken politischer und sozialpolitischer Heuchelei fertig gebracht, vielen Tausenden von Arbeitern Sand in die Augen zu streuen, sie vom Anschluß an Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften abzithalten, die Arbeiterbewegung zu zersplittern, unter allerlei Titeln sonderbünd- lerische Arbeiterorganisationen zu schaffen, welche bewußt (seitens der Führer) und unbewußt (seitens der Geführten) die Geschäfte der Bourgeoisie uud des Unternehmerthums besorgen, und daher nicht mit Unrecht mit dem gemeinsamen Namen „Klein - kinderbewahranstalten" bezeichnet werden. Ans die Dauer freilich muß auch in diesen Reihen das Sprüchlein versagen, schon jetzt haben die Helleren begonnen, sich den Sand aus den Augen zu reiben und das falsche Spiel der herrschenden Klaffe und ihrer Agenten in der Kutte ober int Bnrgcrrock ebenso zu durchschauen, wie es längst von den sozialdemo - kratischen Arbeitern durchschaut ward, die sich auch von der Bismarck'schen Sozialreform und dem offiziellen Arbeiterschutz nicht ködern und von der Bahn des zielbewußten Klassenkampfeö nicht ab - drängen ließen. DerUeberlegenheitsdünkel der herrschenden Klasse, dem diese feste Haltung des sozialdemo - kratischen Proletariats einen so starken Dämpfer auf - gesetzt hat, ist aber nm so lächerlicher, als sie selber noch viel leichter als die unteren Schichten dem famosen Sprüchlein in's Garn geht. Die Wasser- und Weltpolitik liefert dafür eiitcn drastischen Beleg. Die Jnteiesscnteu der Wasser- nnd Weltpolitik und ihre Handlanger haben ihr enorme Profite votgegaukelt, und als - bald hat sie mit Hurrah auf den Köder angebiffen. Sogar jetzt noch, nachdem die erste Probe ans das Exempel so schief gegangen, das China-Abenteuer dem Export so schivere Wnnden geschlagen läßt sie sich mit der Utopie auf den weltpolitischen Zukunftsstaat vertrösten, auf die Illusion eines mächtigen Aufschwunges der überseeischen Industrie nach der Lösung des chinesischen Knotens. „Die Welt will getäuscht sein", wohl; aber die kapitalistische Welt noch weil mehr als die unteren Schichten. Vou der Weltbühne. Die Ghiua-Vorlage beschäftigte am Dienstag die Budget kam Mission des Reichstages in einer langen Doppelsitznng. Der in gestriger Nummer mitgetheilte telegraphische Bericht des Wolff'schen BüreauS läßt einmal tvieder sehr Vieles zu münschen übrig und ermöglicht absolut nicht, ein wirkliches Bild der 33er« handlnngeu zu gewinnen. Daß die Kommissionsberathung noch Ueberraschungen bringen werde, hat Niemand mehr erwartet, da nach der ersten Berathung itn Plenum die Annahme der Vorlage vollständig feststand. Eine Ueber« raschung — wenn man es so nennen will — ergab sich nur insofern, als die berufenen Regieruugsvertteter ge - stehen mußten, daß sie von den wirklichen Vorgängen in China nur recht mangelhaft unterrichtet sind. Von den Grausamketten, die in Dntzenden von Briefen in der Presse aller Parteien veröffentlicht wurden, weiß der Kriegsminister nichts, ebenso nichts von dem in den Zeitungen veröffentlichen Garnisonbesehl aus Tientsin, toonach die Soldaten nicht über die Vorgänge in China berichten sollen nnd für die Veröffentlichnng ihrer Briefe verantwortlich gemacht werden. Von Berlin sei dazu keine Anregung gegeben. Die Zeitnugsmeldnngen seien nach China geschickt, nm Näheres von dort zn erfahren. Mit dem sonst bei den unwichtigsten Dingen in Bewegung gesetzten Telegraphen scheint man im Verkehr mit China also sehr svarfam um- zngehen und cs wird noch ein nettes Weilchen dauern, bis der Kriegsminister Authentisches über die beregtcu Vorgänge wird mittheilcu können. Auch über die Zahl der K ranken „liegen eingehende Rapporte noch nicht vor". Bebel erklärte demgegenüber, daß er aus Privat - briefen den Eindruck gewounen habe, daß ein halbes Armeekorps in China krank liege. Man bestritt jedoch die Beweiskraft der vorliegenden Privatbriefe, be - sonders soweit sie von Plünderungen und Er - schieß uug von Gefangenen berichten. Der Kriegsminister vermißt in jenen Briefen genaue Datum- und Ortsangaben, so daß es unmöglich fei, fcst- zustellen, nm welchen Akt es sich handle Er glaube nicht, daß derartige Dulge veagetoimnen sein können. In seinen Berichten sei allenthalben erklärt, daß nur nach dem Gesetz verfahren werde. Staatssekretär des Reichs- Marine-Amls Admiral v. Tirpitz gab die gleiche Erklärung für die Seebataillone ab. Bebel erklärte darauf: Es sei kein Zweifel, daß Exzefie begangen wurden und die Frage sei nur, wie weit einzelne Personen, Offi - ziere verantwortlich zu machen seien. Der bekannte „Taku-Bries" existirt, in dem cs heißt, daß Weiber, Kinder u. s. w. niedergemacht worden sind, und daß die Soldaten damit die Parole des Kaisers befolgt hätten. Der Brief ist in meinen Rauben! Dutzende von Briefen haben diesen Vorgang bestätigt. Sonst roar man sehr empfindlich bei Vorwürfen gegenüber Militär- personen und stellte sofort Slrafanttag. Bei den jetzigen schwerwiegenden Vorlviirfeu, die in der Preffe und nicht in den sozialdemokratischen Blättern zuerst, sondern in bürgerlichen und Amtsblättern veröffentlicht worden sind, versagt der ganze Apparat. Bei alledem befinden wir uns zwar nach den Anssührungen des Kriegsministers im Krieg, aber die rechtlichen und verfaffungsmäßige» Bestimniungen über den Kriegsfall, betreffend Kriegs - erklärung, Kriegskosten tc., werden vollständig außer Acht gelassen. Der K r i e g s m i n i st e r wiederholte, die Be - schuldigungen seien zu allgemein, als daß er etwas unter - nehmen könne. Daß ein Krieg mit China bestehe, wurde vom Staatssekretär v. R i ch t h o f c it entschieden bestritten; es handle sich nur um ein „bewaffnetes Ein - schreiten gegen anarchistische Zustände in China". Bei dem Ansatz „Verschiedene Ausgaben X. 4 949 929" äußerte Abg. Bebel fein Erstaunen darüber, daß Geld für Unterbringung der Gefangenen gefordert werde, da doch die Gefangenen erschossen werden. Kriegsminister v. Goßler erklärte, es finde ein „regelmäßiges Verfahren" statt; eine willkürliche Er - schießung sei ausgeschloffen. Bebel fragte, was mit Gefangenen von regulären Truppen der Chinesen geschehe? Kriegsminister v. Goßler: Chinesische Truppen, die sich, ergeben, werden ent - waffnet und zerstreut- Die Opposition der Freisinnigen verpuffte fast voll - ständig. Auch die Anregungen Richters, wenigstens jetzt endlich eine, wenn auch nur mäßige Schwenkung zur Vernunft in der Chinapolitik durch Zurückziehutig des nicht nur gänzlich überflüssigen, sondern gradezu schädlichen Aufgebotes an Marine und Land- truppen in Ostasien zu bewirken, blieben ohne jedeit Erfolg. Wir dürfen keine Schwäche zeigen I sagt die Regierung und Herr Richter fiel darauf selbst um, verzichtete aus Abstimmung über seine Anregungen und wollte diese nur gegeben haben, um der Regierung Gelegenheit zn Aufklärungen zu bieten. Nur in einer Hinsicht wies die Kommission ein merkwürdiges Verfahren der Regierung gelinde zurück. Den nach China ausmarschirenden Soldaten hat eine Kabinetsordre des Kaisers für den Fall ihrer Invalidität und im Todesfall für die Hinterbliebenen besondere Zuschüsse über bie gesetzlich feststehenden Pensionssätze aus dem Dispositionsfonds zuge- sichert. Jetzt wollte die Regierung dem Reichstage zu- muthen, jene außergewöhnliche Maßnahnie nur für daS laufende Etatsjahr gutzuheißen, aber für die Zukunft den unstatthaften Zustand zu belassen, daß weiterhin der Dispositionsfonds nach Belieben der Re - gierung zu jenen Zwecken benutzt werde, wahrend eine gesetzliche stt/gelung sowohl behufs Wahmng her Rechte der Volksvertretung, als auch im Interesse der in China verwundeten Soldaten und der Hinterbliebenen der Getödteteu unbedingtes Erforderniß ist. Trotz des Umfalls der regierungsfreudigen Zentrumsjurifteu Bachern und Gröber nöthigte die Kommission das Reichsschatzamt zur schleunigen Vorlegung einer Gesetzes - bestimmung, durch die der etatswidrige Zustand 'beseitigt und bie Ansprüche der China-Invaliden gesichert werden. Im Uebrigen wurde die Vorlage, soweit sie berathen ist, nach den Vorschlägen der Regierung angenommen. Das Gleiche wird Meifellos mit dem Rest geschehen, vielleicht mit Ausnahme der Art der .Kostendeckung, wo daö Z c n t r u ut eilte andere Form wünscht. Dem ChinakurS gegenüber haben die bürgerlichen Parteien bereits alles Rückgrat verloren. kanzler wegen des amtlichen Verhaltens gegen - über dem Präsidenten Krüger zu richten sei. Wir glauben nicht, daß daraus etwas wird. Soweit reicht die Kourage unserer Musterpattioten nicht. Unsere herrlichen Kolonien erweisen sich immer mehr als Schröpsköpie am Geldbeutel der Union. Dem Reichstage ist die endgültige U c b e r s i ch t der Ein - nahmen und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete für 1897/98 zugegangen. Danach haben die Etalsüberfchreitungen in den Ausgaben bei dem deutsch - ostasrikauischen Schutzgebiet .ft 956 000 betragen, wovon rund 3t 73 500 durch Mehr - einnahmen gedeckt sind. Im Schutzgebiete von Kamerun hat die Mehreinnahme 3t. 439 000, die Mehrausgabe X. 453 000 betragen, in Togo hat sich zu einer Mehr - ausgabe von 3t. 142 500 eine Mindereinnahme vou 3t. 165 800 gesellt, so daß ein Fehlbetrag von 3t 308 300 heransgekouimeu ist. Den größten Fehlbettag hat aber Südwestafrika aufzuwcisen und zwar in höhe von 1,8 Millionen. ES stehen hier einer Mehreinnahme von nahezu 0,5 Millionen Mehrausgaben in höhe von 2,3 Millionen gegenüber. Vou den Mehrausgaben ent - fallen 1 Million auf sächliche und vermischte Ausgaben, die sich hauptsächlich in Folge der Rinderpest und des Feldzuges gegen die Swartbois gesteigert hatten, und nahezu 1 Million auf die Fortführung der Eisenbahn und des Telegraphen von Swakopmnnd nach Windhoek. Die Fehlbeträge für Ostafrika, Togo und Südwest - afrika von insgesammt 3 Millionen Mark sind unter den einmaligen Ausgaben der Kolonial - Ver - waltung in den Etat des Answärttgen Amtes für 1901 eingestellt. Teu Nagel auf den Kopf trifft der Dr. Sigi vom „Baierischeu Vaterland" fast immer, wenn es sich um die Beurtheilung seiner intimsten Feinde, der Herren vom Zentrum, handelt. Er keimt sie und schämt sich nicht, ihnen gründlich die Wahrheit zu sagen. So auch jetzt über den „Toler an zant rag' des Zenwums, an welchen die Zentrumspreffe nicht Tinte und Drucker - schwärze genug verschwenden kann. Dr. Sigi karak- terisirt denselben wie folgt: „Der Antrag bezweckt die gesetzliche uud verfaffungs- mäßige Einführung der „Religionsfreiheit" im Deutschen Reich. So, so! Cn, ei! Einen solchen An - ttag stellt eine sich „katholisch" nennende Fraktton! Seit wann ist denn „Religionsfreiheit" ein katholisches Prinzip? Soll mit den Herren Lieber und Kon - sorten eine neue Aera des katholischen Kirchenrechts be - ginnen? Sind denn im Zeuttmn keine Juristen? Keine Theologen? Oder haben dieselben chre Universitätsjahre verschlafen, verkneipt ober sotmwie verbummelt? Wißen die Herren nicht, daß die kr, bo l i j che Kirche tue 3t e 11 g lou» f re töeiiüLu verworfen 9 a i und prtn?kviel 1 stets verwerfen muß, weil sie dem innersten Wesen der katholischen Religion jederzeit wider - spricht ? Auf den Ausspruch des P r i n z i v der Re - ligionsfreiheit ist schon hundert Mal in aller Form das kirchliche Anathem gelegt, und die ganze Gesell - schaft der Zenkumspartei, wie sie im Reichstage bei einander sitzt, verfällt ohne jede Itachsicht latae senteutiae dem Kirchenbann und der Exkommunikation." Vom streng katholischen Standpunkt hat Dr. Sigi zweifellos Recht. Aber mit die Religionsfreiheit ist es dem Zentrum, wie wir schon bargelegt haben, auch gar nicht zu thun, sondern nur darum, deut Klerikalisums noch mehr Spielraum als bisher zu verschaffen. Da man diesbezüglich für die katholische Minderheit in Deutschland fein ausschließliches Privileg verlangen kann, benutzt man die „Religionsfreiheit" als Deckmantel, indem man zugleich die nicht „anerkannten" ausschließt von der Freiheit. Die Antisemiten im Reichstage sind durch ihre Spaltungswiith in die unangenehme Situation gerathen, sich selbst vollständig lahm zu legen. Um sich nun einiger - maßen zu helfen, sind diese Abgeordneten nun jetzt unter dem Namen „Freie wirlhschaftliche Gruppe" zusammen- getreten zur Ausübung von Frakttonsrechten bei Be - schickung der Kommissionen. Der an Jahren älteste Ab - geordnete führt den Vorsitz bei Sitzungen, die zuut Zwecke ber Besetzung von Kommissionen einberufen werden. Viel Vertrauen in den Bestand selbst dieser rein äußerlichen Organisation scheint aber unter den Anti - semiten selbst nicht zu herrschen. Die „Deutsch-sozialen Blätter" bemerken nämlick bereits : Sollte es sich heraus - stellen, daß Unzuträglichkeiten entstehen, Daß z. B. die deutsch-soziale Gruppe nicht die Berücksichttgung bei der Vertheilung der Kommissionssitzc erhält, die sie bean - spruchen darf, so würden die Abgeordneten jener Gruppe wahrscheinlich austreten und sich auf andere Weise die Mitarbeit in den Kommissionen sichern. Die Bäckermeister rühre» »ch wieder, um das Bischen Arbeiterschutz für ihre Gesellen wieder zu beseitigen. Dem Reichstage ist aus Bäckerkreisen eine Petitton zugegangen, welche um Aufhebung der ÄraximalarbeitSzeit-Verordnung für Bäckereien und Konditoreien und um Einführung einer Minimalruhezeit ersucht. Für die Erneuerung der Handelsverträge nnd den Einheitstarif wiid jetzt von den Handels - kammern eine lebhafte Bewegung inszenirt. Den schon erwähnten Kundgebungen der Bar m e r und der Mannheimer Handelskammer hat sich nun auch bie Hanbelskautmer von Düsseldorf ange- fchloffen. In Köln ha! sich eine von freisinniger Seite ein« berufene, auch von Sozialdemokratien stark besuchte Ver - sammlung für die Handelsverträge ausgesprochen. Daß der Ducllzwang besteht, ist jetzt in dem von uns bereits erwähnten Kreuz Itacher Fall auch amtlich konstatirt worden. In der „Köln. Ztg." liest man: „In der Sitzung der Stadtverordneten (von Kreuz - nach) theilte Bürgermeister Kirschstein die Nichtbe - stätigung des Beigeordneten Salomon mit, die ihm durch den Regierungspräsidenttn am 22 No - vember mitgetheilt worben fei. Der allerhöchste Erlaß sei batirt Bab Homburg, 19. Oktober, genau ein Jahr nach der Wahl Salomons, und stütze sich auf einen Bericht des Ministers des Innern vom 9. Oktober. Man habe sowohl in Bezug auf die Persön - lichkeit Salomons als auch auf besten Leistungen als Beamter die bestm Auskünste erhalten; Salomon sei noch im Jahre 1899 als wiedergewöhlter Bürgermeister von Schlüchtern vom Lberpräsidenten Grasen Zedlitz-Trützschler ohne Weiteirs bestätigt worden Der Gnind der auf - fallenden Verzögerung der königlichen Enffcheidnnb sei darin zu suchen, daß der Vater Salomons, ber frühere Hofopenisänger Salomon, beim Kaiser um Re habil iti- rung seines Sohne? vorstellig geworden fei, der darauf im Mai d. I. auf dem Gnadenwege in die Kategorie der mit schlichtem Abschied entlassenen Offiziere zurückversetzt wurde; trotzdem wurde bie allerhöchste Be - stätigung versagt. Die Versammlung nahm ohne Er - örterung eine Resolution an, in ber bas Bedauern aus- gedrückt wird, daß bie Stadt auf bie Dienste einer so tüchtigen unb gut empfohlenen Kraft verzichten müsse. unb zur Tagesordnung übergegangen wird. Zugleich wurde die Wiederausschreibung ber Stelle beschloßen " Somit steht fest, daß in Preußen ein Mann, ber sich weigert, an einem Verbrechen theilzunehmen, nicht daraus rechnen bars, bie Bestätigung für ein kommunales Amt zu erhalten. Der Fall ist wirklich symptomatisch unb enthüllt ben wahren Karakler bes sogenannten „Rechts staales". In Zmtrnmsblättern wird augebentet, daß eine varlamentarische Besprechung der Ange - legenheit in Aussicht stehe. Wenn da Die Lieber und Kollegen den gleichen „Männerstolz vor dürften thronen" zeigen wie in der Floiienstage unbjn ber chinesischen Angelegenheit, so kann sich bei bet Sache auch noch ber bürgerliche Parlamentarismus blamiren. Als bet „starke Man»" wird der neue Minister in Koburg-Goth a, Herr Heutig, ausgerusen. Er soll eine „neue Aera" einleiten. In der amtlichen „Gothaischen Zeitung" wird aus eine bevorstehende Aus - lösung des Landtages hingewiesen, ber nach ben jüngsten Neuwahlen aus 9 Sozialdemokraten, 5 Agrariern, 4 Freisinnigen und einem Nattonalliberalen besteht. Daß dem neuen Minister der neue Landtag ebenso wenig gefällt wie seinem Vorgänger, glauben wir gern; es dürste ihm aber schwerlich gelingen, durch Auflösung einen „besseren" Landtag zu erzielen. „Gehorsam ist bes Christen Schmuck!" Der Staatsrath von Elsaß-Lothringen sprach sich dafür aus, daß bie für die Restaurirung der Hoh - königsburg geforberte erste Rate in Höhe von 3t 150 000 bewilligt werde. Die Hohköttigsburg ist P r i v a t b e s i tz des Kaisers, der sich für bereit Restauriruitg sehr inter - essier, aber bie sehr erheblichen Kosten nicht aus seinem eigenen Gelb zu bestreiten geneigt ist. Das Reich soll einen Theil bezahlen, ben anderen Theil Elsaß- Loth - ringen. Außer der Softenfrage kommen bei dieser Angelegenheit noch allerlei andere interessante Dinge zum Vorschein, bereit Erörterung im Reichstage sehr an - gezeigt ist, da die deutsche „Preßfreiheit" eine gründliche Besprechung in bet Preffe nicht zuläßt. Der Volkskrieg, b. b. bie Masseuerhebnng einer Nation zur Abwehr ober Betreibung von Invasions- Heeren, ist auf ber famosen Haager Friebens- konferenz als unzulässig erklärt worden. Die milttärischen und diplomatischen Zünftler, die im Uebrigen von einer Einschränkung ber Kriegsntöglichkeit nichts wissen wollten, verbiffen sich daraus, daß grade die nach vernünftiger Menschen Snncffcn allein berechtigte Form des Krieges, der wirkliche nationale Ver - theidign ngskrieg gegen einen Angreifer, nicht gebulbct werden dürfe, unb daß die wirklichen Vater- tanb»DartiieiOi ti cr b-ui Stanbtechi verluden, b. h. mit dem Tobe zu bestrafen feint, falls man sich ihrer bemächtigen könne Tiefer Beschluß der Haager Konferenz ist eine nachträgliche Rechtfertigung der Erschießimg von Andreas Hofer auf Befehl Napoleons, der Behandlung der Schill'schen Schaar als Räuber u. s. w. Auch der preußische Landsturm von 1813 wäre nach dieser Theorie dem Standrecht verfallen gewesen und — um ein Bei - spiel ans neuester Zeit anzusühren — die Engländer wären berechtigt, die den Guerillattieg führenden Boeren unb ausländischen Freiwilligen kurzerhand standrechtlich zu erschießen, wenn diese in Gefangenschaft fallen. Nur die Vertreter der Schweiz hatten auf ber Haager Konferenz gegen diese Theorie Einspruch erhoben, jedoch fruchtlos. Die Folge ist, daß die Schweiz der Haager Konvention in diesem Punkt nicht zustimmen wird. Der Ständerath hat auf Antrag des Bundesrathes beschlossen, die Schweiz solle ber Haager Konvention, betteffenb bie Regelung bes Lanb- krieges, nicht beitreten, ba bie Konvention Volks - krieg unb Maffenerhedungen außer Schutz bes Kriegs - rechtes stelle. Mehrere Rebner hatten erklärt, ber Beitritt zur Konvention läge im schweizerischen Interesse. Der BuubeLpräsibent bemerkte, bie Schweiz würbe burch Annahme ber Konvention erklären, baß bie käm - pfenden Volksmassen dem Standrecht verfallen. Tie Wahlen zum österreichischen Reichsrath, die schon feit einiger Zeit im Gange find, deren Ahschfirtz aber erst im Anfang des nächsten Jahres erfolgen wird, haben besonders in G a l i z i e n wieder Maßregeln hervor- gerufen, welche die BrntalstSt des dort herrschenden polnischen Adels aufs Nene beweisen. Als Einleitung zu den galizifihcn Wahlen wurde der s 0 z i a l d e m 0 - krgtjj che Kandidat Sulezewski in Tarnow wegen Preßvergehens verhaftet. DaszynSki, der ebenfalls eingesperrt werben sollte, erhielt vom Justiz- minifter einen Strafaufschub, worüber die Schlachta (der Adel) so erzürnt ist, daß ihr Organ „Csas" sich die Konfiskation zuzog. Im Uebrigen wird ganz nach bei alten Methode gearbeitet. Die nebenbei auch antisemitischen Schlochzizen zwingen bie von ihnen abhängigen jüdischen Wirthe, sich als Wadlmänner ausstellen zu lassen, gleichviel unter welcher Flagge. Bei ber Abgeorbnetenwahl muß dann der Jude einsach für seinen antisemitischen Bedrücker stimmen und dieser z-eht dann als „Volksvertreter" in den ReichsraÜi ein. Macht sich die Empörung der be - trogenen Urwähler an dem „umgefallenen" Wahlmann Lust, kommt es zu den in Galizien mit jeder Wahl ver - bundenen Exzessen, dann freut sich der Schlachziz noch extta, wenn ber „Silbe", ber ihn wählen mußte, miß - handelt ober in seinem Eigenthum geschädigt wird. In Belgien haben am Dienstag die Linke der Kammer und d e s S e n a t s beschloffeit, eine ge - schlossene parlamentarische Oppositions - gruppe gegen bie klerikalen Parteien zu bilden Ihr Programm betrifft : Einführung der persönlichen Wehr - pflicht, Schulzwang und verhältnißmäßige Wahlen für die Parlamente unb die Kommunen. In Betteff des allgemeinen, gleichen Stimmrechts ist ein Ausschuß von acht Mitgliedent ernannt worden, welcher diese Frage einem eingehenden Studium unterziehen wird. Die Spielhöllenfrage wird zur Zeit in ber bel - gischen Kammer wieder erörtert. Der Radikale 80taub hatte am Freitag den Antrag gestellt, gleich - zeitig mit ber gegenwärtigen, bekanntlich von Woeste er - zwungenen Diskussion solle ber vom Senate vor Jahren bereits angenommene, aber in ben Akten begrabene Ge - setzesantrag des verstorbenen Senators Baron de Coninck von der Kammer berathen werden Dieser Antrag de Coninck, ber also nur noch die Kammer zu passiren hätte, um Gesetzeskraft zu erlangen, gebt noch radikaler zu Werke als der Antrag Lejeune. Der Ministerpräsident bestritt jeglichen Zusammenhang zwischen der heutigen Besprechung und dem Anttage de Coninck. Was über die Sillenzustönde in den belgischen Spielorten, in Ostende, Spaa, Namur, Dinant, von den vertrauens- werthesten Personen, von Richtem, Geistlichen, Polizei- beamten berichtet wird, spottet aller Beschreibung. Alles verworfene Gelichter beiderlei Geschlechts strömt hier zusammen. Wir werden, sobald ausführliche Berichtt über den Verlauf ber Kammerverhandlungen vorliegen, dieselben unseren Lesern mittheilen, schon um zu zeigen, wie ein - sichtig die Hamburger Justiz war, als sie auf Kosten des „Hamburger Echo" den Belgierkönig Leopold zu einer Chrenrettung verhalf, die vor einem bel - gischen Gericht, wo inan die Verhältnisse etwas naher rennt, nicht möglich gewesen wäre, auch trotz aller Pro - vokationen nie versucht worden ist. Der französische Senat berieth am Dienstag bie Vorlage, betreffend Vermehrung der Flotte. Gombes hält die Vorlage für unzureichend, ba sie der Marine feine Kraft zur Onenfive verleihen werde. Unter den gegenwärtigen Verhättnisfen bliebe der stanzosischen Flotte im Kriege nichts übrig, als sich in den Hasen zurückzuziehen, um dort eine günstige Gelegenheit zur Aktion abzuwarten. Als ruchloser Englandhetzer spielte sich der General Mercier, ber Metneidsschwörer aus dem Prozeß Drevfus, auf. Er sprach sich gleichfalls für die Nothwendigkeit ber Offensive, sowohl im Lanbkrtege wie im Seekriege, aus und meinte, bei ber übrigen! wenig wüiischenswerthen Möglichkeit eines Konstikts mit Englanb müsse man an eine Landung ber Truppen jen- eits des Kanals benfeit. Er beantrage, bie Regierung möge ausgefordert werden. Alles für die Einschiffung von Landungskorps vorzubereiten. (Mehrfache Unter« brechungen.) Der Präsident bemerkte dem Redner, fein Aitlrag sei bei Besprechung bet Regierungsvorlage nicht am Platze, er werde denselben jedenfalls nicht znlassen. In der italienischen Kammer erklärte am Diens - tag ans verschiedene Interpellationen über das Pro - gramm des Kabinets der Ministerpräsident Sa - ra ec 0, es sei durchaus falsch, daß innerhalb deS Kabinets MeiunugSverfchiedenheiten beständen, alle Minister seien einig bezüglich der Beschlüsse, die zum Wohle Italiens und bet Monarchie, bie beide untrennbar seien, getroffen würden. Dem Depntirten Ferri erwiderte ber Minister - präsident, er verstehe wohl, daß die äußerste Linke einet Politik bas Wort rede, die auf bie Herabsetzung bet militärischen Kräfte unb aus die Verminberung der öffent - lichen Schuld Hinziele. Die Regierung wolle aber, ohne irgend welche Erweiteningen anzustreben, weder eint Schwächung des Staates noch den Bankerott Die Regierung werde m dem Verwaliungstheile des Kriegs - budgets zwar sparsam wirthschaften, aber niemals bie Zustimmung bazn geben, baß der Effektivbestand des Heeres vermindert werde. Es fei Zeit, dem Volke klar zu machen, daß Freiheit Geld koste. Diejenigen, die sich derselben er - freuen wollten, müßten Opfer bringen (Zwischennife); indessen mußten die Bürger die Wohtthaten ancrteniicn, die ihnen durch bie Begrünbimg des einigen Italiens zu Theil geworden feien. Dem Depilierten Xe cd) io gegenüber führte Saracco aus, welche Vortheile dem Lande durch die vom SJhniftctium beabsichtigten finanziellen Maßnahmen zugesichert seien. Indem et auf diese näher einaing, erklärte der Ministerpräsident, man könne nicht mehr thun, ohne das Gleichgewicht »es Budgets zu ge - fährden oder neue Schulden zu machen, was die Regierung nicht wolle. Saraeeo schloß: Er wolle mit dein Gesetze und im Rahmen des Gesetzes fein Amt führen, wenn jedoch die Einrichtungen des Landes bedroht werden sollten, so werde die Regierung diese gegen Alle und Jedermann unerbittlich vertheidigen. (Lebhafter Beifall.) — Nach einigen Bemerkungen der Interpellanten wurde bie Debatte geschloffen. Ueber bie Reben ber Interpellanten, bie zweifellos das Wichtigere der Debatten gewesen sind, bringt der offiziöse Telegraph wieder einmal nichts. Nach dieser hübschen Methode der Berichterstattung haben natürlich bie Minister immer Recht. In Südafrika macht sich unter ben Afrikandern eine lebhafte Bewegung zu Gunsten der Boerenrepubliken immer mehr geltend. Dreihundert Afnkander aus Kap- land überreichten am Sonnabend Abend ben Herten Merriman und Sauer, den Führern des Aftikandet- bondS, in Stellenbosch eine Adresse, die, wie sie sagten, von einer erdrückenden Mehrheit bet Afrikander ausgehe. Die Adreffe sprach ben Führern Dank und Vertrauen aus. Mr. Merriman sagte, England habe durch den Krieg ein für allemal seinen Ruf als Hort ber Freiheit verloren Die Geschichte dieses Krieges fei eines bet schwärzesten Blätter in den britischen Annalen. Er habe sich alle Mühe gegeben, die Berichte über die Iwitischen Rohheiten nicht zu glauben, aber die Kundgebung Generals Bruce-Hamiltons sei eines britischen Generals unwürdig. Sie erinnere au Tilly und Wallenstein. Eine solche Kriegführung ermuthige die schlimmsten Elemente auf beiden Seiten. Die Loyalität der Holländer am Kap fei nicht in der Weise anerkannt worden, wie sie cs ver - diene. Allen Versuchungen zum Trotz feien sie loyal geblieben, obwohl eS in ihrer Hand gelegen habe, England derart iii'S Unglück zu stürzen, daß 'cS sich nie wieder hätte erholen könne«. In Bezug auf den Kon - greß in Woreester ermahnte Merriman die Afrikander, gemäßigt zu bleiben. Er und Sauer wollten dem Kon- greß nicht beiwohnen, damit man nicht sagen könne, er sei daS Werk von Politikem, während er doch nur bet Ausdruck ber Bolksmeinung sei. Die Afrikander sollten sich baran erinnern, daß sie sich noch nicht an das House os Commons gewandt hätten. Sie sollten jeden Zoll ihres Rechtes vertheidigen In England sauge man jetzt an, einzusehen, daß die Kapitalisten den Krieg an gezettelt hätten. Immerhin sei Mäßigung am Platze, wenn man nicht wolle, daß die allgemeine Lage in Südafrika noch unangenehmer werde. Mr. Sauer sagte, die Afrikander sollten loiial bleiben. Allerdings sei der Guvernör ein Parteipolitiker schlimmster Sorte geworden, unb ein solcher Guvernör sollte nicht länger im Lande bleiben dürfen. Es fei sehr schwer für die holländischen Kolonisten, sich unter solchen Umständen ruhig zu verhalten, es sei aber nothwendig. Wenn Groß - britannien die beiden Republiken ihrer Selbstständigkeit berauben würde, würde es die Sympathien aller Afrikander verlieren. Zum Schluß plädirte Mr. Sauer für Standhaftigkeit bei dem Kongreß von Worcester. Bloemfontein wird von Neuem gegen einen etwaigen Angriff befestigt. Ruud nm die Stabt sind Außeuposten ausgestellt, größere Abtheilungen ziehen während der Nacht auf Wache und längs der Eifendahu- ünie sind Minen gelegt. Aus ©ben bürg wird gemeldet, daß alle B 0 er en f a r in er zwischen Rouxville unb Smithfield ich erhoben haben, um sich Dewet anzuschtießen, jedoch oll es ihnen an Gewehren und Munition mangeln, weshalb sie zum Theil unbewaffnet dem Kommando folgen. Das Caledonthai steht damit brn Boeren offen und immer zahlreicher werben die englischen Stimmen, welche energisch eine stärkere berittene Truppeumacht fordern, damit Dewet endlich .abgethan" werden könne. In Cundgleugh bei Ladysmith tauchte ant 29. November ein B 0 c r c n k 0 m m a n d 0 mit 50 bewaffneten Berittenen auf: ein ähnliches Kommando oll sich in der Nachbarschaft befinben. Wie die englische Militärdiktatur i« den Boerrttrepudlikett wirkt, darüber giebt ein von der „Köln. Ztg." veröffentlichter Privalbrief aus Pretoria Auskunft. Es heißt darin: Pretoria ist öde, die meisten Ein - wohner sind Kriegsgefangene, Mele wurden über die Grenze befördert, z. B. Lourenyo Marauez, Durban, East London, Pon Elizödech unb Kapstadt. Eine Krligcr-JulrrpcNatiou? Im Reichs- tage sollen, wie ber „Vorwärts" berichtet, Erwägungen hat, 1 im Gange sein, ob eine Anfrage an den Reichs-