HAMBURGS ANTEIL AM ORGELBAU IM NIEDERDEUTSCHEN KULTURGEBIET Von Gustav Fock I. Hamburgs führende Stellung im niederdeutschen Orgelbau während der Barockzeit Der sehr verdienstvolle Handel-Forscher Friedrich Chry- sander in Bergedorf hat einmal über Hamburgs Bedeutung als führende Musikstadt Deutschlands am Ende des 17. Jahr - hunderts gesagt: „In keiner freien Reichsstadt, kaum an einem Fürstenhofe hatte die Musik so festen Fuß gefaßt als in Hamburg. Es hieß allgemein: Von dem, was Deutschland an Poeten, Musikern und Sängern besitzt, sind die sinn - reichsten, geschicktesten und trefflichsten in Hamburg bei - sammen ; wer seine Sache versteht, findet dort am leichtesten Brot und Beachtung. Wer in der Musik etwas Außer - gewöhnliches hören will, komme nach Hamburg“ 1 ). Er hat hier die Instrumentenbauer nicht besonders erwähnt und doch gab es ihrer nicht wenige und unbedeutende in der damaligen Handels- und Kunststadt Hamburg. Mancher unter ihnen war weit über Niederdeutschlands Grenzen hinaus bekannt und tätig. Man denke nur an zwei im Jahre 1719 verstorbene weitberühmte Meister, nämlich den Geigen- und Lauten - macher Joachim Tielcke und den Orgelmacher Arp Schnitger 2 ). Letzterer ist wie kaum eine andere Persönlichkeit der Musik - geschichte mit ungeahnter Schnelligkeit in den Vordergrund des Interesses gerückt, und das mit Recht; denn wie die klas- 9 Signale für die musikalische Welt, 1870, S. 98. 2 ) Vgl. des Verfassers Buch: Arp Schnitger und seine Schule, ein Bei - trag zur Geschichte des Orgelbaues im niederdeutschen Kultur - gebiet, Kassel (Bärenreiter-Verlag) 1939, das im folgenden kurz als Arp Schnitger u. s. Sch. bezeichnet wird.