60 ZWEITER TEIL Das Johanneum / Heft 3 / 1977 Fredrik Pacius - Ein Hamburger Musiker in Finnland Am 19. 3. 1974 jährte sich zum 165. Maleder Tag, an dem Fredrik Pacius als äl - tester Sohn eines musikliebenden Kaufmanns in der Innenstadt Hamburg gebo - ren wurde. Bei seinem Vater lernt er früh das Geigenspiel und wird von ihm zu dem bekannten Hamburger Dirigenten und Komponisten Grund zum Singen geschickt. Mit 13 Jahren wird Fredrik Pacius Mitglied des Grund’schen Gesang - vereins und Schüler der Gelehrtenschule des Johanneums, der angesehensten Schule der Stadt, nach drei Schuljahren soll Pacius eigentlich Kaufmann werden, doch gibt ihn der Vater nach Beratung mit Albert Gottlieb Methfessel nach Kas - sel zur Ausbildung bei Ludwig Spohr, der damals als Violinvirtuose und Kompo - nist berühmt ist. Sein neuer begabter Schüler wendet sich auch bald dem Kom - ponieren zu und widmet seiner Mutter sechs Lieder nach Texten von Schiller, Goethe und J. H. Voß, was zugleich für seine Schulbildung zeugt. Blutjung kon - zertiert Pacius nach seiner Ausbildung (um 1826) in Altona, Hamburg, Lud - wigslust, Schwerin, Weimar, Greifswald und Stralsund. Für 1828 erhofft er sich eine Anstellung in Hamburg. In Stralsund aber trifft er — gleichsam auf seinem Schicksalsweg in den Norden - einen schwedischen Kaufmann, der ihm einen Platz in der Stockholmer Hofkapelle verschafft. Pacius lernt schwedisch und schließt bald Freundschaften mit bedeutenden Persönlichkeiten (z. B. Gejer und Lindblad), bemüht sich aber doch um andere Stellungen. Tatsächlich erhält er 1834 trotz seiner Jugend bei fünf weiteren Bewerbern das Amt eines Musikleh - rers an der Universität Helsinki. Er tritt 1835 seinen Dienst in Helsinki an. Leicht hat es Pacius in Helsinki nicht gehabt. Auch sein Einkommen hält sich stets in engen Grenzen. Seine robuste Gesundheit, sein Fleiß, sein Humor und sein umfassendes Können, seine Aufgeschlossenheit für die Probleme seines un - ter russischer Hoheit stehenden Gastlandes und seine Musikbegeisterung auch für die Werke der zeitgenössischen großen Komponisten Europas schaffen ihm bald umfassende Kontakte und gute Freunde. Über fünfzig Jahre wirkt Pacius in Finnland, gibt unzählige Konzerte, dirigiert Chöre und Orchester und komponiert neben 2 Opern auch finnische, schwedi - sche und deutsche Lieder. Sein bekanntestes Lied ist die heutige finnische Na - tionalhymne, eine Vertonung der Eingangsstrophen zu »Fähnrich Stahl« seines berühmten Dichterfreundes Runeberg: »Värt land — Maamme«. Dieses Lied wird am 13. Mai 1848 auf dem lange verbotenen Frühlingsfest der Studenten beim Entfalten der finnischen Fahne unter unbeschreiblichem Jubel aller Teil - nehmer gesungen. Seitdem wird es in Finnland bei allen nationalen oder sonsti-